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Medikamente und Alkohol

Nüchtern bleiben: Aufgrund von Wechselwirkungen vertragen sich Medikamente nicht mit Alkohol. Was Patienten wissen müssen

von Christian Krumm, 06.08.2019
Gruppe mit Getränken

Wer Medikamente nimmt, sollte auf Alkohol verzichten. Alkohol kann zum Beispiel ihre Wirkung verstärken, schlimmstenfalls droht eine Überdosierung


Ein Gläschen in Ehren kann niemand verwehren – sagt ein deutscher Trinkspruch. Manchmal müssen Apotheker und Ärzte jedoch in die Rolle der Spielverderber schlüpfen.

"Während einer Medikamententherapie rate ich grundsätzlich dazu, auf Alkoholkonsum in jeglicher Form zu verzichten", sagt Professor ­Peter Ruth, Pharmakologe an der Universität Tübingen. Es gebe zahlreiche hochproblematische Wechselwirkungen, die sich nicht abschätzen lassen. Viele davon seien noch gar nicht bekannt, warnt auch Alexander Dietrich, Professor für Experimentelle Pharmakotherapie an der Ludwig-Maximi­lians-Universität München.

Hier erklären Experten, was passieren kann, wenn sich im Körper Arzneiwirkstoffe und Alkohol vermengen.

Geschwüre und Blutungen im Darm

Schon bei einfachen Schmerzmitteln sei Vorsicht geboten, betont Apothekerin Kathrin Grethe aus Karlsruhe.

"Wenn man zu Acetylsalicylsäure, die für den Magen sowieso nicht gut verträglich ist, zusätzlich Alkohol kon­­sumiert, kann dies das Risiko für Magen-Darm-Geschwüre oder Blutungen weiter steigern." Dasselbe gilt für alle nichtsteroidalen Schmerzmittel.

Apothekerin Kathrin Grethe

Unfreiwillige Überdosis

Probleme könne es auch bei Tabletten geben, die ihren Wirkstoff über ­einen längeren Zeitraum freigeben. "Vor allem hochprozentiger Alkohol verzögert die Magenentleerung. Deswegen kann sich die Tablette dort vorzeitig komplett auf­lösen und eine viel zu hohe Dosis auf einmal in den Körper abgeben", erklärt Grethe.

Bei Schmerzmitteln aus der Gruppe der Opiate drohen in solchen Fällen sogar Atemlähmungen.

Zu starke Wirkung

Viele sogenannte zentral dämpfende Arzneien wirken mit Alkohol deutlich stärker. Dazu zählen neben Opiaten auch Schlaf- und Beruhigungsmittel wie Benzodiazepine sowie Antidepressiva oder Neuroleptika.

"Die beruhigenden Effekte verstärken sich überproportional, der Patient fühlt sich benommen, kann sich schlechter konzentrieren oder erleidet einen Schwindelanfall", sagt Apothekerin Grethe. "Die Schläfrigkeit kann sich weiter bis zum Koma steigern", warnt auch der Münchner Experte Dietrich.

Das richtige Getränk

Leitungswasser ist ideal. Damit ­sollten grundsätzlich alle Arzneimittel eingenommen werden.

Mineralwässer können die Therapie mit manchen Arzneien empfindlich stören. Der Grund: die teils hohen Mengen an Kalzium und Eisen.

Andere Getränke können die Wirkung von bestimmten Medikamenten ebenfalls beeinflussen und sollten allenfalls mit mehrstündigem Abstand getrunken werden. Dazu zählen insbesondere Milchprodukte, Kaffee und Tee sowie Grapefruitsaft.

Leber in Gefahr

Arzneien wie das Schmerzmittel Paracetamol oder das Rheumamedikament Methotrexat belasten in Kombination mit Alkohol die Leber stärker. Manche Wirkstoffe hemmen den ­Abbau des Alkohols im Körper. Dazu zählen unter anderem der Magensäureblocker Ranitidin oder das Herzpräparat Verapamil.

Giftige Produkte werden nicht mehr abgebaut

Manche Arzneistoffe blockieren ein Enzym, das für den Abbau des Alkohols wichtig ist. Dann kann das giftige Zwischenprodukt Acetaldehyd nicht weiter zersetzt werden. Bereits kleinste Mengen Alkohol können in ­solchen Fällen starke Gesichtsrötungen, Übelkeit und Erbrechen hervorrufen. Schlimmstenfalls drohen ein starker Blutdruckabfall, Herzrhythmusstörungen und Atemnot.

Dasselbe bewirken Mittel gegen Pilzinfektionen wie Ketoconazol oder Griseofulvin sowie das Antibiotikum Metronidazol, das oft gegen den Magenkeim Helicobacter pylorus eingesetzt wird. Auch Antibiotika aus der Gruppe der Sul­fonamide oder Cephalosporine blockieren den Aldehydabbau.

Weil der Effekt lange anhält, müssen Patienten nicht nur während der Medikamententherapie auf Alkoholgenuss verzichten, sondern noch mindestens fünf Tage danach.

Unterzuckerung verhindern

Pharmakologe Ruth mahnt auch Diabetiker zu besonderer Vorsicht, weil Alkohol bei ihnen das Risiko für ­Unterzuckerungen deutlich erhöhen kann. Das gilt besonders dann, wenn sie Insulin spritzen oder Tabletten aus der Gruppe der Sulfonylharnstoffe nehmen. Die negativen Auswirkungen könnten oft noch mit mehrstündiger Verzögerung auftreten, so Ruth.

Wer dennoch ein Glas Wein oder Bier trinken möchte, sollte mit seinem Arzt absprechen, wie man Unterzuckerungen vermeiden kann – etwa durch den Verzehr zusätzlicher Kohlenhydrate.

Zusammengefasst: Das richtige Getränk wählen