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Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) vorbeugen, erkennen und behandeln

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine von Zecken übertragene Krankheit, bei der sich die Gehirnhäute und das Gehirn entzünden können. Schutz bietet eine spezielle Impfung. Mehr zu Diagnose und Therapie

von Anja Kopf (Redaktion), aktualisiert am 21.03.2019

FSME – kurz zusammengefasst

  • Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (kurz FSME) ist eine Virusinfektion, die zumeist von Zecken übertragen wird.
  • Die Ansteckungsgefahr ist von März bis November am größten, insbesondere in den FSME-Risikogebieten (siehe unten).
  • Die ersten Symptome sind denen einer Erkältung ähnlich wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. In schweren Fällen kann die FSME mit einer Meningoenzephalitis, der Entzündung von Hirnhäuten und Gehirn, verlaufen.
  • Bei FSME können nur die Symptome, nicht die Erkrankung selbst behandelt werden. In den meisten Fällen heilt die FSME ohne Komplikationen und Folgeschäden aus.
  • Der Schutz vor Zeckenstichen, etwa durch lange Kleidung, ist die beste Vorsorge. Zusätzlich gibt es eine Impfung gegen FSME.

Überblick: Was ist eine Frühsommer-Meningoenzephalitis?

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine Virusinfektion, die überwiegend von infizierten Zecken übertragen wird. Stechen die winzigen Blutsauger zu, können sie den Erreger mit ihrem Speichel ins Blut des Wirts weitergeben.

Das FSME-Virus gehört zur Gruppe der Flaviviren und ist verwandt mit den Erregern des Dengue- und Gelbfiebers. Neben dem in unseren Breiten vorkommenden zentraleuropäischen FSME-Subtyp gibt es auch noch weitere Subtypen.

FSME-Risikogebiete in Deutschland

In bestimmten Regionen Deutschlands ist eine Infektion wahrscheinlicher als in anderen – sie gelten als FSME-Risikogebiete. Der Grund: In diesen sogenannten "Naturherden" kommen vermehrt Wirtstiere (zum Beispiel kleine Nagetiere) und Zecken vor, da Bedingungen wie eine ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit oder die Bodentemperatur stimmen. In diesen Gebieten trägt ungefähr eine von 100 bis 500 Zecken das FSME-Virus in sich. Aber selbst, wenn eine dieser Zecken zusticht, muss der Betroffene nicht unbedingt an einer FSME erkranken. Sich nach einem Zeckenstich mit Borrelien zu infizieren, ist wahrscheinlicher.

Die Ansteckungsgefahr ist in der Zeckensaison von März bis November am größten. Bei besonders milden Temperaturen können Infektionen jedoch auch im Winter auftreten.

Meist grippeähnliche Symptome

Die meisten Betroffenen spüren gar nichts von der Infektion. Jeder Dritte leidet zunächst unter grippeähnlichen Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Bei einem Teil der Erkrankten kommt das Fieber nach einer vorübergehenden Besserung zurück. Hirnhäute und Gehirn können sich entzünden, in manchen Fällen ist auch das Rückenmark betroffen. Je nach Schwere der Krankheit kommt es zu starken Kopf- und Nackenschmerzen, Übelkeit, Bewusstseinsstörungen, Krampfanfällen oder Lähmungen.

Da FSME von Viren verursacht wird, sind Antibiotika wirkungslos. Und auch andere Medikamente, die gezielt gegen das Virus wirken, gibt es zum momentanen Zeitpunkt nicht. Daher können nur die Beschwerden, nicht aber die Krankheit selbst behandelt werden.

Bei der Mehrzahl der Patienten heilt die Krankheit vollständig wieder aus. Ist jedoch das zentrale Nervensystem betroffen, können Schäden zurückbleiben. Die Krankheit endet in durchschnittlich einem Prozent der Fälle sogar tödlich. Vor allem ältere Menschen über 50 Jahre, darunter insbesondere Männer, sind von schweren Verläufen bedroht.

Jährlich erkranken in Deutschland im Schnitt 300 Personen pro Jahr an FSME. Die Dunkelziffer liegt vermutlich höher, denn die Symptome können bei einem milden Verlauf leicht mit einer gewöhnlichen "Sommergrippe", also einem grippalen Infekt, verwechselt werden.

Impfung und Schutz ist die beste Vorsorge

Gegen FSME gibt es eine Impfung, die Personen in Risikogebieten empfohlen wird. Der Hausarzt kann dazu beraten.

Wichtig ist es außerdem, sich vor Zeckenstichen zu schützen. So beugen Sie auch anderen Krankheiten vor, die von Zecken übertragen werden – beispielsweise der bakteriellen Lyme-Borreliose.

Zecken leben in hohem Gras, weshalb sich Jogger schnell einen Zeckenbiss einfangen können.

Wie wird FSME übertragen?

Zecken infizieren sich während des Blutsaugens mit dem FSME-Virus und geben es über ihre Speicheldrüsen bei der nächsten Blutmahlzeit weiter. Innerhalb der ersten Stunden nach dem Zeckenstich werden die Viren auf den Wirt übertragen.

Zecken leben im hohen Gras, in Büschen, Hecken und in Wäldern. Daher fangen sich Menschen häufig bei Aktivitäten wie beim Joggen, Wandern, Reiten oder Camping einen Zeckenbiss ein. Doch auch im heimischen Garten oder im Park mitten in der Stadt sind Zecken auf Beutezug.

Die Minivampire sind vor allem von März bis November aktiv, daher häufen sich die Krankheitsfälle in diesen Jahreszeiten. Bei Temperaturen unter sechs Grad Celsius fallen Zecken eigentlich in Winterstarre. Sind die Wintermonate allerdings mild, kann es auch in dieser Zeit  vermehrt zu Infektionen kommen. Zusätzlich lassen sich inzwischen auch Zeckenarten aus wärmeren Klimazonen vereinzelt in Deutschland finden.

Hat die Zecke zugestochen, sollte sie möglichst schnell entfernt werden. Was Sie dabei beachten sollten, lesen Sie hier:

Häufig bleiben die winzigen Plagegeister allerdings unbemerkt – vor allem dann, wenn sie sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium befinden und mit bloßem Auge kaum zu erkennen sind. Viele FSME-Patienten können sich gar nicht an einen Stich erinnern.

In einigen Fällen wurde auch von einer Übertragung durch unpasteurisierte Rohmilchprodukte von Ziegen, Schafen und in Ausnahmefällen von Kühen berichtet, die mit dem Virus belastet waren. In Deutschland, Österreich und der Schweiz spielt dieser Infektionsweg eher selten eine Rolle. Mit pasteurisierten, also kurzzeitig erhitzten Milchprodukten ist man auf jeden Fall auf der sicheren Seite.

Außerdem gilt: Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch gibt es nicht.

Was sind die FSME-Risikogebiete?

FSME-Viren sind ist in Deutschland hauptsächlich in Bayern, Baden-Württemberg, im Süden Hessens und Thüringens sowie in Teilen von Rheinland-Pfalz, Saarland, Niedersachsen und Sachsen verbreitet. Unter Risikogebiete werden Gegenden verstanden, in denen mehr als einer pro 100.000 Einwohner an FSME erkrankt.

Einen Überblick über die aktuellen Risikogebiete zeigt die folgende Karte.

Auf der Karte erfahren Sie, in welchen Landkreisen die FSME häufiger vorkommt

FSME kommt außerdem in vielen weiteren europäischen Ländern vor, darunter Österreich, Russland, Tschechische und Slowakische Republik, Schweiz, Polen, Ungarn, Kroatien, Slowenien, Albanien, Schweden, Norwegen, Finnland, Dänemark, Estland, Lettland, Litauen, Frankreich, Italien, Griechenland und neuerdings auch in den Niederlanden.

Wie verläuft eine FSME-Erkrankung?

Symptome in der ersten Krankheitsphase

Nur etwa 30 Prozent der Infizierten bemerken Symptome. Ein bis zwei (maximal vier) Wochen nach dem Zeckenstich treten grippeähnliche, unspezifische Beschwerden wie Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und leichtes Fieber auf. Die Symptome erinnern oft an eine Erkältung, die FSME kann deshalb leicht damit verwechselt werden.

Diese erste Phase dauert etwa eine Woche. Bei einem Teil der Betroffenen ist die Krankheit damit überstanden. Bei jedem zehnten Erkrankten folgt nach einer beschwerdefreien Zeit von meist nur wenigen Tagen eine zweite Krankheitsphase.

Symptome in der zweiten Krankheitsphase

In dieser Phase gelangt das Virus in das zentrale Nervensystem und kann verschiedene Bereiche betreffen. Davon hängt ab, wie schwer die Erkrankung verläuft.

Eine Hirnhautentzündung (Meningitis) äußert sich mit hohem Fieber, starken Kopfschmerzen, Schwindel, Lichtempfindlichkeit, Übelkeit, Rücken- und Nackenschmerzen. Typisch für die FSME ist, dass sich die Betroffenen sehr krank fühlen.

Zusätzlich können die FSME-Viren das Gehirn befallen. Die Hirnentzündung (Meningoenzephalitis) äußert sich mit Gleichgewichtsstörungen, Zittern von Armen und Beinen, Lähmungen, Sprachstörungen, Wesensveränderungen, Krampfanfällen, Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma, die zu den Beschwerden der Hirnhautentzündung hinzukommen können.

Entzündet sich neben Hirnhäuten und Gehirn auch das Rückenmarkgewebe (Meningoenzephalomyelitis) können die Symptome zusätzlich die willkürlich gesteuerte Muskulatur betreffen: Lähmungen der Arme, Beine und des Schulterbereiches (ähnlich einer Kinderlähmung), aber auch Schluck- und Sprechstörungen sowie schlimmstenfalls eine Atemlähmung. Die Beschwerden bestehen manchmal über Monate.

Kinder und Jugendliche erkranken meistens nicht so schwer wie ältere Menschen. Daher bleibt eine Infektion mit dem FSME-Virus bei ihnen häufig unerkannt. Auch ist der Heilungsverlauf meist günstiger als bei Erwachsenen. Allerdings gibt es auch in dieser Altersgruppe Ausnahmen mit schweren Krankheitsverläufen.

Mit einer Blutuntersuchung kann eine FSME meist nachgewiesen werden.

Wie stellt der Arzt eine FSME-Erkrankung fest?

Im Gespräch erkundigt sich der Arzt vor allem nach den genauen Beschwerden, nach Zeckenstichen in der Vergangenheit, Aufenthalten in FSME-Risikogebieten und nach einer fehlenden FSME-Impfung. Oft ergibt sich daraus bereits der Verdacht auf eine FSME. Es folgt die genaue körperliche Untersuchung mit besonderem Augenmerk auf neurologische Auffälligkeiten.

Für eine sichere Diagnose müssen zusätzlich zu den Symptomen die Entzündungswerte im Blut erhöht und zwei FSME-spezifische Antikörper gleichzeitig im Blut vorhanden sein. Allerdings bildet die körpereigene Abwehr erst zwei bis vier Wochen nach dem Zeckenstich den sogenannten IgM-Antikörper, etwa ein bis zwei Wochen später die IgG-Antikörper. Eine Blutuntersuchung ist meist also erst in der zweiten Krankheitsphase aussagekräftig.

Kommt die Untersuchung der Blutwerte nicht zu einem eindeutigen Ergebnis, liefert auch eine Untersuchung des Nervenwassers wichtige Erkenntnisse. Das Nervenwasser, auch Liquor cerebrospinalis genannt, wird durch einen kleinen Einstich in den Rückenmarkskanal, einer sogenannten Lumbalpunktion, gewonnen. Bei einer FSME-Erkrankung zeigen sich spezifische Antikörper gegen FSME-Viren, die auf eine Entzündung des zentralen Nervensystems hinweisen.

Bei einem schweren Verlauf oder unklarer Diagnose kann die Kernspintomografie wichtige Informationen zur Abgrenzungen gegenüber anderen Erkrankungen liefern. Das bildgebende Verfahren arbeitet mit starken Magnetfeldern statt mit Röntgenstrahlen und liefert zum Beispiel Hinweise auf Veränderungen im Gehirn.

Der Nachweis einer FSME-Erkrankung ist seit 2001 meldepflichtig. Das bedeutet, das Labor informiert das zuständige Gesundheitsamt über den Krankheitsfall.

Manche Firmen bieten an, eingesandte tote Zecken auf FSME-Erbsubstanz zu überprüfen. Das Robert-Koch-Institut rät von solchen Angeboten jedoch eher ab. Dass in einer Zecke Erreger enthalten sind, heißt noch nicht, dass eine Infektion stattgefunden haben muss. Insofern hilft die Information bei der Diagnose nicht unbedingt weiter. Die Krankenkassen zahlen diese Untersuchung der Zecken nicht.

Was hilft bei FSME und wie sind die Heilungschancen?

Es gibt keine spezifische Behandlung gegen FSME, die Krankheit kann mit Medikamenten nicht geheilt werden. Die Therapie ist darauf beschränkt, die Symptome zu lindern. Patienten sollten das Bett hüten und können bei Bedarf – in Absprache mit dem Arzt – Schmerzmedikamente nehmen.

In schweren Fällen und wenn die Atemmuskulatur betroffen ist, ist eine Behandlung auf der Intensivstation notwendig. Bei Lähmungen, Störungen der Koordination oder der Sprache helfen Krankengymnastik, Ergotherapie oder auch Logopädie. Eventuell ist auch ein Aufenthalt in einer Rehabilitationsklinik angebracht.

Die meisten Infektionen ­– insbesondere eine Meningitis ­– heilen folgenlos aus, vor allem bei Kindern und Jugendlichen. In höherem Lebensalter verläuft die Krankheit allerdings oft schwerer.

Nach einer Entzündung des Gehirns leiden die Betroffene häufig über Wochen unter Kopfschmerzen, vermehrter Müdigkeit, verminderter Belastbarkeit oder emotionale Labilität. Auch Störungen der Konzentration, des Gedächtnisses, der Koordination, der Sprache und des Hörens sowie Lähmungen können zurückbleiben.

Eine Entzündung des Gehirn- und Rückenmarkgewebes hat die insgesamt schlechteste Prognose. Vor allem bei (älteren) Erwachsenen bleiben hier oft Schäden zurück, sehr selten verläuft eine Meningoenzephalomyelitis tödlich. Doch auch eine Spontanheilung ist selbst nach Monaten noch möglich.

Wer eine Infektion durchgemacht hat, ist fortan immun gegenüber allen FSME-Typen. Er kann die Krankheit also kein zweites Mal bekommen.

Wie schütze ich mich vor Zeckenstichen?

Ein sicherer Schutz vor Zecken existiert nicht. Trotzdem gibt es Möglichkeiten, Stichen vorzubeugen, wie zum Beispiel mit langer, heller Kleidung oder Insektenschutzmittel (Repellents).

Einen genauen Überblick, wie Sie Zeckenstiche vermeiden können, erhalten Sie in diesem Artikel:

Zeckenstiche zu vermeiden lohnt sich nicht nur im Hinblick auf FSME. Denn sie können auch andere Krankheiten übertragen, insbesondere die bakterielle Lyme-Borreliose. Hier besteht eine Infektionsgefahr in ganz Deutschland, nicht nur in bestimmten Risikogebieten. Welche Anzeichen auf Borreliose hindeuten und wie sie behandelt wird, erfahren Sie im Ratgeber Lyme-Borreliose.

Wann ist eine Impfung nötig?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt die FSME-Impfung allen Personen, die sich in FSME-Risikogebieten aufhalten. Eine Impfung ist außerdem bei Reisen in Risikogebiete (auch im Ausland) sinnvoll. Kinder können ab dem vollendeten ersten Lebensjahr geimpft werden.

Für einen vollständigen Impfschutz sind drei Termine nötig. Auch eine regelmäßige Auffrischung der Impfung in Abständen von drei bis fünf Jahren ist wichtig.

Ob die Impfung im individuellen Fall ratsam ist, etwas dagegen spricht, und welche Nebenwirkungen auftreten können, sollte ausführlich mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Die meisten Kassen zahlen die Impfung – am besten vorher erkundigen.

In folgendem Artikel können Sie sich noch ausführlicher über die FSME-Impfung informieren:

Beratender Experte

Professor Dr. Reinhard Kaiser ist Neurologe und arbeitet als Chefarzt für Neurologie am Helios Klinikum in Pforzheim. In seinem Berufsalltag betreut er Patienten mit einem breiten Spektrum an neurologischen Erkrankungen. Sein besonderes Interesse gilt dabei Patienten mit entzündlichen Erkrankungen des Nervensystems. Professor Kaiser ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Neurologie hat maßgeblich an der aktuellen Leitlinie zur Frühsommer-Meningoenzephalitis mitgewirkt.

Quellen

Nationales Referenzlabor für durch Zecken übertragene Krankheiten: FSME, (Abruf: 06.03.2019)

Robert Koch-Institut: FSME, (Stand: 18.08.2015)

Robert-Koch-Institut: Epidemiologisches Bulletin, 26. April 2018/Nr. 17: FSME: Risikogebiete in Deutschland, 2018. Online: (Abruf: 07.03.2019)

Kaiser R. et al. S1-Leitlinie Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). 2016. In: Deutsche Gesellschaft für Neurologie, Hrsg. Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: (Abruf: 18.03.2019)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

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