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Darmpolypen: Ursachen, Risiken, Behandlung

Polypen im Darm sind nicht automatisch gefährlich. Sie können es aber werden, da aus ihnen Darmkrebs entstehen kann. Ärzte suchen deshalb bei einer Darmspiegelung gezielt nach Polypen

von Dr. Martina Melzer , aktualisiert am 04.08.2019

Darmpolypen – kurz erklärt

  • Darmpolypen sind Schleimhautvorwölbungen, die vor allem im Dickdarm vorkommen.
  • Die meisten sind ungefährlich, manchmal kann sich aus ihnen aber Darmkrebs entwickeln.
  • Polypen im Darm rufen nur selten Symptome hervor.
  • Durch eine Darmspiegelung lassen sie sich erkennen und entfernen.
  • Eine gesunde Lebensweise beugt den Polypen vor.

Was sind Darmpolypen? Sind sie gefährlich?

Viele Menschen haben Polypen im Darm. Je älter man wird, desto häufiger treten sie auf. Darmpolypen sind Schleimhautvorwölbungen, die aus der Darmschleimhaut ins Darminnere – das Darmlumen – hineinragen. Sie entstehen, weil an einer oder mehreren Stellen in der Schleimhaut mehr Zellen wachsen als normalerweise. Die Polypen kommen typischerweise im Dickdarm vor, und da vor allem im letzten Abschnitt, dem Enddarm.

Die meisten Polypen im Darm sind gutartig, aus ihnen entwickelt sich also kein Darmkrebs. Aus manchen Polypen kann allerdings im Verlauf von Jahren Darmkrebs entstehen. Es bildet sich zunächst ein winziger Polyp – eine Polypenknospe. Diese kann sich mit der Zeit vergrößern. Aus verschiedenen Gründen kann das Polypengewebe – meist über einen Zeitraum von vielen Jahren – bösartig werden. Die Zellen im Gewebe wachsen unkontrolliert. Dies bezeichnet man als Darmkrebs.

Wie aus Polypen Krebs entstehen kann:

Infografik Darmkrebs

Grafik: Wie entsteht aus einem Darmpolypen Darmkrebs? Eine zunächst winzige Gewebevermehrung – die Polypenknospe – vergrößert sich im Laufe der Zeit. Aus verschiedenen Gründen kann der Polyp bösartig werden. Dann wächst das Tumorgewebe unkontrolliert und verdrängt gesundes Gewebe. Es entsteht Darmkrebs. Dieser kann sich in die darunterliegende, von Blut- und Lymphgefäßen durchzogene Muskelschicht ausbreiten.

Über die Gefäße können Krebszellen in andere Körperregionen gelangen und zu Tochtergeschwülsten (Metastasen) führen. Wenn der Tumor nicht entdeckt wird und sich weiter vergrößert, kann er den Innenraum des Darms komplett ausfüllen und damit verschließen. Wächst er nach außen durch die gesamte Darmwand (durchbrechen), können auch andere Organe direkt befallen werden.

Einteilung der Darmpolypen-Arten

Es gibt verschiedene Arten von Polypen. Sie unterscheiden sich in ihrer Form und Gewebsstruktur (unter dem Mikroskop):

  • Hyperplastische Polypen: sind in den allermeisten Fällen gutartig, sitzen direkt auf der Schleimhaut und sehen oft sägezahnartig aus.
  • Entzündliche Polypen: entarten nicht und treten häufig bei chronisch-entzündlichen Darmkrankheiten wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa auf.
  • Harmatöse Polypen: kommen bei Menschen mit erblichen Syndromen vor und können sich schon bei Kindern entwickeln.
  • Adenome: sind – neben den hyperplastischen – die häufigsten Darmpolypen und lassen sich in weitere Unterformen unterteilen. Sie können zum Beispiel einem Blumenkohl ähnlich sehen und an einem Stiel sitzen. Sie können aber auch flächig auf der Schleimhaut aufliegen oder eine Mischform von beidem sein.

Wenn die Polypen entfernt wurden, unterscheiden sich die Adenome – auch adenomatöse Polypen genannt - weiter nach ihrem Aussehen in tubuläre, villöse und tubulovillöse Adenome. Des Weiteren können Adenome sägezahnartig aussehen (serratiertes Adenom). Diese Polypenformen kann der Arzt oder die Ärztin bei einer Darmspiegelung aber nicht sicher voneinander unterscheiden, die Einteilung erfolgt daher immer nach Entfernung unter dem Mikroskop. Das bedeutet auch, dass alle entdeckten Polypen entfernt werden müssen.

Nur wenige Adenome entwickeln sich zu Darmkrebs. Dennoch stellen sie eine Vorstufe des Kolonkarzinoms dar, wie Ärzte die Tumorart nennen. Denn in über 90 Prozent der Fälle entsteht Darmkrebs aus adenomatösen Polypen. Je mehr Adenome sich im Dickdarm befinden und je größer sie sind, desto höher ist das Krebsrisiko.

Bei manchen Menschen findet sich – erblich bedingt – eine Vielzahl an Adenomen im Dickdarm. Dieses Krankheitsbild nennt sich familiäre adenomatöse Polyposis (FAP). Ohne frühzeitige Krebsvorsorge erkranken diese Menschen zu fast 100 Prozent an Darmkrebs.

Was fördert Darmpolypen?

  • das Alter: Je älter ein Mensch, desto häufiger bilden sich Polypen
  • Übergewicht: Je höher der Body-Mass-Index, desto wahrscheinlicher sind Polypen
  • wenig Bewegung
  • ballaststoffarmes Essen
  • häufig rotes Fleisch essen
  • Rauchen
  • Alkohol
  • Geschlecht: Männer bekommen öfter Polypen im Darm als Frauen
  • Erbliche Veranlagung: Familiär bedingt kann es zu einem massenhaften Auftreten von Darmpolypen kommen, den Polyposis-Syndromen. Dazu zählen unter anderem die familiäre adenomatöse Polyposis (FAP) und die serratierte Polyposis
  • Ebenfalls erblich bedingt ist das Lynch-Syndrom (hereditäres nicht-polypöses Kolonkarzinom, HNPCC), bei dem Menschen schon in jungen Jahren Darmkrebs bekommen können. Dieser entsteht aus einzelnen Polypen. Meist gibt es eine familiäre Häufung von speziellen Krebsformen

Rufen sie Symptome hervor?

In den meisten Fällen bereiten Darmpolypen – vor allem kleine – keine Beschwerden. Eher selten kann ein Polyp bluten, was sich durch Blutbeimengungen im Stuhl bemerkbar machen kann. Selten stört ein größerer Polyp auch die Verdauung. Dies kann sich durch Verstopfung, Durchfall oder einen schmerzhaften Stuhldrang äußern.

Wie entdeckt der Arzt Polypen im Darm?

Darmpolypen werden meistens entdeckt, wenn der Arzt oder die Ärztin eine Darmspiegelung macht. Mithilfe eines Endoskops – einer Art dünnem Kunststoffschlauch – untersucht der Gastroenterologe das Innere des Dickdarms. Dabei kann er Polypen erkennen und diese gleich mit einer Schlinge oder Zange abtragen.

Auch wenn sich die meisten dieser Schleimhautvorwölbungen im Enddarm befinden, raten Experten zu einer kompletten Darmspiegelung – also des gesamten Dickdarms. Denn: Findet der Arzt oder die Ärztin einen Polypen, kommen recht häufig weitere vor. Die Darmspiegelung, medizinisch als Koloskopie bezeichnet, gilt als die beste Methode, um Polypen und damit Dickdarmkrebs zu erkennen und vorzubeugen.

Alternativ gibt es Tests auf Blut im Stuhl. Sie erkennen okkultes, also nicht mit dem bloßen Auge sichtbares Blut im Stuhl. Der Nachteil: Polypen können bluten, müssen es aber nicht. Das bedeutet: Mit dieser Nachweismethode lassen sich nicht alle Polypen und damit Krebsvorstufen zuverlässig erkennen.

Darmkrebsfrüherkennung: Wann wird was erstattet?

Männer bekommen ab dem Alter von 50 Jahren eine Darmspiegelung von ihrer Krankenkasse erstattet. Die nächste – bei unauffälligem Ergebnis – nach zehn Jahren. Alternativ können sie jährlich den Stuhltest in Anspruch nehmen. Frauen zahlt die Kasse ab einem Alter von 50 Jahren jährlich nur den Stuhltest. Ab 55 Jahren übernehmen die gesetzlichen Krankenversicherungen für Frauen die Kosten für eine Darmspiegelung. Wer ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs oder Beschwerden hat, bekommt die Kosten der Untersuchung auch früher und in kürzeren Abständen erstattet.

Wie werden sie behandelt?

Darmpolypen entfernt der Arzt oder die Ärztin während der Darmspiegelung. Er oder sie verwendet dabei spezielle Instrumente, wie zum Beispiel eine Schlinge, die über das Endoskop eingeführt werden. Anschließend wird das Gewebe in einem Labor untersucht, um zu überprüfen, ob es gut- oder bösartig ist. Stellt der Arzt fest, dass der Patient oder die Patientin bereits Darmkrebs hat, veranlasst er eine passende Therapie, meist eine Operation.

Nachsorge von Polypen

Darmpolypen können sich wieder neu entwickeln, auch wenn sie während der Darmspiegelung entfernt wurden. Der Arzt oder die Ärztin informiert den Patient, wann wieder eine Kontrolluntersuchung sinnvoll ist.

Wie kann man Darmpolypen vorbeugen?

Das Risiko, Darmpolypen zu bekommen, lässt sich senken. Dabei gelten die gleichen Empfehlungen wie für Darmkrebs.

  • Körperlich aktiv sein: 30 bis 60 Minuten täglich reichen dafür schon aus.
  • Ausgewogen ernähren: Viel Gemüse und Obst, ballaststoffreiche Lebensmittel wie Haferflocken, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, wenig bis kein rotes und verarbeitetes Fleisch.
  • Wenig bis kein Alkohol trinken.
  • Nicht rauchen.
  • Auf das Gewicht achten, besonders Bauchfett vermeiden.
Dr. Scalercio

Beratender Experte

Dr. med. Nicola Scalercio ist Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie. Er hat in Berlin und München Medizin studiert und war anschließend in verschiedenen Kliniken tätig. Seit 2019 arbeitet er als niedergelassener Gastroenterologe. Seine Tätigkeitsschwerpunkte sind: Darmspiegelung, Ultraschall, Erkrankungen des Verdauungssystems und der Leber. Er ist Mitglied mehrerer Fachgesellschaften.

Quellen

Gesundheitsleitlinie des Leitlinienprogramms Onkologie: Früherkennung von Darmkrebs, 2015

Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe,
AWMF): S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom, Langversion 2.1, 2019

Macrae FA: Overview of colon polyps. UpToDate. https://www.uptodate.com/home (Abgerufen Juli 2019)

Patient education: Colon polyps, UpToDate. https://www.uptodate.com/home (Abgerufen Juli 2019)

Gastro-Liga: Ratgeber Polyposis-Syndrome. Online: https://www.gastro-liga.de/fileadmin/download/Ratgeber_Polyposis_152-08-18 (Abgerufen Juli 2019)

Medizinisch Genetisches Zentrum München: HNPCC. Online: https://www.mgz-muenchen.de/startseite.html (Abgerufen Juli 2019)

Kassenärztliche Bundesvereinigung: Darmkrebsfrüherkennung. Online: https://www.kbv.de/html/darmkrebsfrueherkennung.php (Abgerufen Juli 2019)

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


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